Im Vorfeld der Konferenz „Digitaler Zwilling“ am 01. Juni 2026 sprechen wir mit Expertinnen und Experten aus Verwaltung und Praxis über konkrete Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren bei der Entwicklung und Umsetzung urbaner digitaler Zwillinge.
In diesem Interview gibt Herr Mateusz Lendzinski Einblicke in die Zusammenarbeit von Kommunen, den Übergang von der Entwicklung in den Betrieb sowie die Frage, wie echte Interoperabilität gelingen kann.

Frage 1: Gemeinsame Entwicklung bringt Synergien – welche konkreten Mehrwerte haben Sie durch die Zusammenarbeit in der Community realisiert? Gab es überraschende Effekte?
Herr Lendzinski: „Viele Städte und Kommunen haben am Ende ähnliche Herausforderungen, sind bei einzelnen Themen aber unterschiedlich weit. Die eine ist stark bei informeller Beteiligung, die andere hat beim Gebäuderegister oder bei Datenstrukturen bereits sehr gute Vorarbeit geleistet.
Genau darin liegt der eigentliche Mehrwert der Community: Man lernt nicht abstrakt voneinander, sondern ganz praktisch an Bausteinen, die anderswo bereits funktionieren.
Ein oft unterschätzter Mehrwert ist zudem der direkte Kontakt zwischen den Kommunen. Wenn man Menschen in anderen Verwaltungen kennt, kann man bei Fragen oder konkreten Anliegen schnell zum Hörer greifen. Das klingt banal, ist im kommunalen Kontext aber keineswegs selbstverständlich. Diese direkten Wege beschleunigen Prozesse, vermeiden Missverständnisse und erleichtern den Austausch erheblich.“
Frage 2: Von der Entwicklung zum Betrieb – welche Herausforderungen sind geblieben und wie sieht ein nachhaltiges Betriebsmodell aus?
Herr Lendzinski: „Projekte wie CUT sind extrem wichtig, weil sie wie ein Entwicklungsturbo wirken. Sie schaffen Raum, Dinge anzuschieben, auszuprobieren und sichtbar zu machen.
Gleichzeitig sollten solche Projekte von Anfang an vom Ende her gedacht werden: In welche dauerhaften Strukturen soll das später übergehen?
Entscheidend ist, nicht parallel neue organisatorische und technische Strukturen im Projekt aufzubauen, sondern frühzeitig an bestehende Strukturen anzudocken. Also an vorhandene Zuständigkeiten, Systeme und Betriebsmodelle.
Auf diese Weise konnten auch viele Anwendungsfälle aus dem Projekt Connected Urban Twins verstetigt werden. Weiterentwicklungen rund um Anwendungen wie DIPAS oder das Masterportal wurden in bestehende Cores überführt, sodass Betrieb und Pflege der Software langfristig abgesichert sind.“
Frage 3: Interoperabilität ist der Schlüssel für die Zukunft – wie können digitale Zwillinge so vernetzt werden, dass sie miteinander „sprechen“, ohne Flexibilität zu verlieren?
Herr Lendzinski: „Interoperabilität bedeutet nicht nur technische Schnittstellen, sondern auch, dass Kommunen stärker voneinander profitieren können.
Im Bereich der Standards gibt es bereits gute Grundlagen – etwa internationale Geodatenstandards des Open Geospatial Consortiums oder die DIN SPEC 91607 als Rahmen für urbane digitale Zwillinge in Deutschland.
Mindestens genauso wichtig ist jedoch der interkommunale Austausch. Anschlussfähigkeit entsteht vor allem dann, wenn Kommunen wissen, welche Lösungen bereits existieren, welche Erfahrungen damit gemacht wurden und wo sinnvoll angeknüpft werden kann.
Wenn bestehende Lösungen sichtbarer gemacht werden und bei Neuentwicklungen konsequent auf offene Standards gesetzt wird, kann die Entwicklung deutlich schneller voranschreiten.“
Fazit
Die Erfahrungen von Herrn Lendzisnki zeigen deutlich: Der Erfolg urbaner digitaler Zwillinge hängt nicht allein von technologischen Lösungen ab, sondern vor allem von Zusammenarbeit, Anschlussfähigkeit und klaren Strukturen für den Übergang in den Betrieb.
Besonders der direkte Austausch zwischen Kommunen erweist sich als zentraler Erfolgsfaktor – ebenso wie die konsequente Nutzung bestehender Systeme statt paralleler Neuentwicklungen.
Damit wird deutlich: Interoperabilität entsteht nicht nur durch Standards, sondern vor allem durch gelebte Kooperation.
Diese Fragen und Lösungsansätze stehen auch im Mittelpunkt der Konferenz „Digitaler Zwilling“ am 01. Juni 2026, bei der Expertinnen und Experten aus Kommunen, Wissenschaft und Praxis gemeinsam über konkrete nächste Schritte diskutieren.
