
Frage 1: Digitaler Zwilling als Game-Changer für Kommunen: Wie schaffen wir es, dass Städte nicht nur einzeln, sondern gemeinsam strategisch davon profitieren?
Frau Dr. Pohl: „Digitale Zwillinge in Kombination mit homogenen Datensätzen, wie sie beispielsweise aus der Satellitenfernerkundung resultieren, können über Stadtgrenzen hinaus Kooperationen und Nutzen fördern. Die Entscheidungsfindung für regionale Belange, aber auch die Synergien von Expertisen und Lösungen aus den verschiedenen Kommunen können Ressourcen sparen und ggf. nachhaltigere Lösungen unterstützen.
Parallel dazu fördert der Urbane Digitale Zwilling die Kommunikation und Zusammenarbeit, intern wie auch extern. Die Vernetzung von Daten, Fachsystemen und Menschen durch Digitale Zwillinge unterstützt die digitale Transformation.“
Frage 2: Interkommunale Zusammenarbeit klingt gut – doch was fehlt aktuell, damit Entwicklungscommunities wirklich langfristig und effektiv voneinander lernen?
Frau Dr. Pohl: „Grundsätzlich besteht eine große Bereitschaft der Kommunen zur Zusammenarbeit. Im Bereich Urbane Digitale Zwillinge hat nicht zuletzt das Förderprogramm „Smart Cities Made in Germany“ des BMWSB zu einem Quantensprung im notwendigen Wissensaufbau, in der Standardisierung und in der Übertragung von entwickelter Open-Source-Software geführt. Der Smart City Dialog hat die Zusammenarbeit von Kommunen ebenfalls stark gefördert.
Die Hürden liegen vor allem in der Komplexität von Vergabeprozessen sowie in den individuellen Verwaltungsstrukturen der einzelnen Kommunen. Nicht zuletzt ist auch die derzeit angespannte finanzielle Situation ein Grund für eingeschränkte Handlungsfähigkeit.“
Frage 3: Standardisierung oder Flexibilität – was ist der entscheidende Hebel für bundesweite Zusammenarbeit? Und wie können neue Bestrebungen (z. B. Deutschland-Stack) profitieren?
Frau Dr. Pohl: „Meiner Meinung nach benötigen wir beides: Standardisierung für die Kompatibilität von Lösungen und den Abbau von Hürden sowie Flexibilität für eine agile Weiterentwicklung und Aktualisierung.
Der Trend in der Verwaltung geht von statischen Gutachten zum Zeitpunkt X hin zu Monitoring in Zeitreihen und lebendigen Zwillingen mit einem hohen Maß an Automatisierung in der Datenpflege und Aktualisierung. Die Darstellung von Informationen muss zielgruppen- und fachspezifisch flexibel möglich sein, um einem breiten Anwendungsspektrum gerecht zu werden.
Für eine bundesweite Zusammenarbeit ist zudem eine verbesserte Kommunikation zwischen Bund, Land und Kommunen notwendig. Traditionelle Strukturen behindern derzeit noch die schnelle Inwertsetzung bereits erreichter Fortschritte.“
Fazit
Digitale Zwillinge entfalten ihren vollen Mehrwert nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel über Verwaltungs- und Stadtgrenzen hinweg. Entscheidend ist dabei nicht nur die technologische Entwicklung, sondern vor allem die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, zum Wissensaustausch und zur gemeinsamen Weiterentwicklung.
Die Perspektiven von Frau Dr. Pohl zeigen deutlich: Die Grundlagen für eine erfolgreiche Nutzung sind vorhanden – nun kommt es darauf an, sie konsequent zu vernetzen, weiterzudenken und in nachhaltige Strukturen zu überführen.
Genau diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Konferenz „Digitaler Zwilling“ am 01.06.2026 – als Plattform für Austausch, Praxisbeispiele und gemeinsame Lösungsansätze.
