Im Vorfeld der Konferenz „Digitaler Zwilling“ am 01. Juni 2026 sprechen wir mit Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Forschung und Praxis über Chancen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven urbaner digitaler Zwillinge.
Im dritten Interview sprechen wir mit:

Frage 1: Geodaten, Open Data, 3D-Modelle: Welche technischen Grundlagen müssen heute gegeben sein, damit digitale Zwillinge nicht nur funktionieren, sondern auch wirklich skalieren?
Herr Rudolph: „Aus unserer Sicht wird Skalierung im Digitalen Zwilling in erster Linie durch eine vorausschauende Datenarchitektur ermöglicht. Dabei ist es wichtig, dass funktionale Bausteine nicht nur aktuelle Anforderungen abdecken, sondern nach Möglichkeit auch schon drei Schritte weiterdenken.
Dabei sind drei Dinge entscheidend:
Kurz gesagt: Skalierende digitale Zwillinge brauchen weniger ‚schöne 3D-Modelle‘ und mehr robuste Datenpipelines, Standardisierung und Echtzeit-Logik.“
Frage 2: Die Erweiterung der Entwicklungscommunity um HAL-Plan und Paderborn hat eine neue Dynamik gebracht. Welche konkreten technischen oder methodischen Fortschritte waren für euch am wertvollsten?
Herr Rudolph: „Die Erweiterung der Entwicklungscommunity bringt vor allem einen Perspektivwechsel: weg von der reinen Softwarelogik hin zu echten Anwendungsfällen.
Die wichtigsten Fortschritte waren in unseren Augen zum einen die stärkere Praxisintegration in die Produktentwicklung. Durch die enge Zusammenarbeit mit Halle (Saale), Paderborn sowie weiteren Kommunen und Planungspartnern entwickeln wir Features nicht abstrakt, sondern entlang konkreter Bedarfe.
Zum anderen hat uns die Zusammenarbeit gezeigt, welches Potenzial in einer Entwicklungscommunity steckt. Funktionen wie das Story-Modul oder die gemeinsame Szenarienentwicklung sind direkt aus dem Austausch entstanden. Der größte Hebel war somit weniger ein einzelnes Feature, sondern die Transformation hin zu einer co-kreativen Entwicklungslogik.“
Frage 3: Welche technische Entscheidung würdet ihr heute anders treffen, wenn ihr nochmal von vorne beginnen müsstet?
Herr Rudolph: „Wenn wir heute neu starten würden, würden wir eine Sache noch konsequenter priorisieren: den Aufbau einer klaren, skalierbaren Datenstruktur (Data Backbone) von Anfang an – und weniger Ablenkung durch ein zu breites Spektrum an Use Cases.
Gerade im Bereich Digitaler Zwillinge ist die Versuchung groß, früh möglichst viele Features abzubilden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass der eigentliche Engpass meist in der Datenintegration und -harmonisierung liegt. Unterschiedliche Datenquellen, Standards und Qualitäten werden schnell zum limitierenden Faktor.
Heute würden wir noch stärker auf Standardisierung, saubere Datenmodelle und klare Schnittstellen setzen – und darauf aufbauend die Funktionalitäten entwickeln.“
Fazit
Skalierbare digitale Zwillinge basieren auf einer durchdachten Datenarchitektur, klaren Standards und einer konsequenten Fokussierung auf interoperable Strukturen. Der Schlüssel liegt dabei weniger in der Vielzahl an Features als in der Qualität und Integrationsfähigkeit der zugrunde liegenden Daten.
Gleichzeitig zeigt sich, dass nachhaltiger Fortschritt vor allem durch Zusammenarbeit entsteht: Der enge Austausch zwischen Kommunen und Entwicklungspartnern sowie die gemeinsame Arbeit an konkreten Anwendungsfällen fördern Innovation und schaffen echten Mehrwert.
Die Konferenz „Digitaler Zwilling“ am 01. Juni 2026 bietet den passenden Rahmen, um genau diese Aspekte zusammenzubringen, Erfahrungen zu teilen und die Grundlage für skalierbare, kooperative Lösungen in der kommunalen Praxis weiter zu stärken.
